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Kreisverband Miltenberg

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18.01.2012

Vereinshearing

"Unser gesellschaftliches Leben wird  von Menschen getragen, die sich ehrenamtlich engagieren. Dieser Einsatz hat  für die CSU-Kreistagsfraktion einen hohen Stellenwert." Mit diesen Worten begrüßte Fraktionsvorsitzender Dietmar Andre rund 30 führende Vertreter von Verbänden und Vereinen aus den Bereichen Sport, Gesang, Musik, Seniorenarbeit, Obst- und Gartenbau , Feuerwehr, THW, Rotes Kreuz, Caritas, Johanniter und Verkehrswacht. Trotz widrigster Wetterverhältnisse waren sie der Einladung der Fraktion zu einem Hearing zum Thema "Das Ehrenamt stärken" in die Bergsporthalle Hofstetten gefolgt.
Bei dem Gespräch, das von Dietmar Andre und den Kreisrätinnen Emmi Fichtl und Sonja Dolzer-Lausberger geleitet und den Mitgliedern der CSU-Kreistagsfraktion mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde, kamen nach vier kurzen Einführungsstatements fast alle Gäste zu Wort.
Am Anfang stellte Nadja Schillikowski vom Landratsamt Ziele, Vorgehensweisen sowie erste Maßnahmen vor, die die Koordinationsstelle für bürgerschaftliches Engagement - auch in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft – erarbeitet hat. Diese Halbtagsstelle, die vom Kreistag mit großer Mehrheit beschlossen wurde und auch dank der Bemühungen des Landtagsabgeordneten Berthold Rüth von der Staatsregierung bezuschusst wird, war auf  Antrag des CSU im Oktober 2010 besetzt worden.
Bürgermeister Michael Berninger (Erlenbach)  stellte heraus, dass besonders die Vereine das öffentliche Leben in den Gemeinden tragen. Er sah die Gefahr, dass bei der Diskussion um das Ehrenamt die traditionelle Vereinsarbeit gegenüber dem sozialen Bereich zu kurz komme. An Beispielen der Gemeinden Erlenbach, Kleinwallstadt und Niedernberg  skizzierte er die Leistungen finanzieller (Investitionszuschüsse, Jahreszuwendungen, Jugendförderung, Übungsleiterzuschüsse und Ausbildungszuschüsse), praktischer (Räumlichkeiten, Geschirr Bauhofleistungen) und ideeller Art (Ehrungen, Ehrenabende, Empfänge) für die Ortsvereine.
Roland Jalowitzki vom TV Hofstetten äußerte seine Zufriedenheit mit den Leistungen des  Landkreises und der Gemeinden, jedoch weniger mit den Regelungen von Seiten des Staates. Er zeigte auf, dass ein Verein von Beiträgen und Zuschüssen allein nicht leben könne. Man sei deshalb auf ehrenamtliche Hilfen angewiesen, zu denen aber nur etwa zwanzig Prozent der Mitglieder bereit seien. Für diese seien Zeichen des Dankes oft wichtiger wie die Verleihung von Ehrennadeln. Putzdienst und Übungsleiter erhalten zwar eine Aufwandsentschädigung in Höhe des Mindestlohns. Die Assistenten, ohne die die Gruppen nicht bestehen könnten, gingen jedoch leer aus. Auf sie zähle man, dass sie später  Verantwortung übernehmen. Jalowitzki belegte seine Ausführungen mit anschaulichen Beispielen.
Rüdiger Ehrhardt von den Johannitern sprach die Sorgen der Wohlfahrtsverbände an. Gerade Hilfsorganisationen leben vom Ehrenamt; so müssen 20% der Leistungen über dieses abgedeckt sein. Es werde aber immer schwieriger, neue Kräfte zu akquirieren. Auch rentiere sich oft die Ausbildung nicht mehr, weil es keine lange Bindung mehr gebe. Große Sorgen bereitet der Wegfall der Zivis. Man hoffe, diese Lücke mit Jugendlichen, die sich für ein soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst entscheiden, schließen zu können. Durch die Zusammenarbeit mit Schulen versuche man, das Interesse der Schüler für soziale  Einrichtungen zu wecken. Eine lobende Erwähnung im Zeugnis bzw. die jährliche Dankeschön-Veranstaltung für Hauptschüler im Landratsamt sorgen für zusätzliche Motivation.
In der folgenden zweistündigen intensiven Diskussion ging es zunächst um die Frage, wie man Ehrenamtliche gewinnen könne. Neben direkter Ansprache sei es wichtig, die positive Auswirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung herauszustellen, die durch Weiterbildungsmöglichkeiten gefördert würde. Auch Einsätze nach  individuellen Vorlieben und Fähigkeiten sowie interessante Angebote und Teilnahme an herausragenden Events machen Ehrenämter attraktiv. Konsens herrschte darüber, dass es der falsche Weg sei, Ehrenamtliche zu bezahlen. Vielmehr muss das Ehrenamt Spaß machen und interessant sein.
Manche weigern sich, ein Ehrenamt anzunehmen, weil sie die damit verbundenen Risiken scheuen bzw. nicht überschauen. Die Verantwortung vor allem für Vorstandsmitglieder sei  immens  gewachsen, es gebe zu viele Auflagen, Vorschriften und bürokratische Hemmnisse, so dass sich schnell die Haftungsfrage stelle. "Man kann heute keinen großen Verein mehr ohne Steuerberater und Rechtsanwalt führen!" so ein Gesprächsteilnehmer. Deshalb sei es schwer,  Führungspositionen zu besetzen.
Bei diesem Problem erwarten die Vereine Unterstützung durch die Politik und mehr Serviceleistungen der Spitzenverbände. Da sich ein Verein nicht nur über Mitgliedsbeiträge, kommunale Förderung  und Sponsorengelder finanzieren kann, ist er quasi gezwungen Feste abzuhalten. Bei diesen wird jedoch über Gema, Gebühren und Steuern unverhältnismäßig viel abgeschöpft. Vereinsfreundlichere und flexiblere Regelungen  seien also dringend erforderlich, um die Finanzmisere der Vereine zu lindern. Auch niedrige Hallenmieten bzw. Unterstützung beim Unterhalt und Betrieb von Vereinseinrichtungen würden dazu beitragen.
Für wichtig wird auch ein intensiver Erfahrungsaustausch der Vereine untereinander gehalten. Dabei könnten Ratschläge, die  von örtlichen Spezialisten erarbeitetet werden, allen zugänglich gemacht werden. Auch sollten über die Rathäusern bzw. über die Koordinierungsstelle am Landratsamt Ansprechpartner erreichbar sein, die bei schwierigen Angelegenheiten beraten bzw. durch Hilfen entlasten.
Um Ehrenamtliche immer wieder zu motivieren oder eventuell auch neue zu gewinnen, sei es von größter Bedeutung, dass die Vereine eine Anerkennungskultur pflegen, die nicht zur Routine erstarrt. Wichtig sei es auch, diese Anerkennungskultur in der Gesellschaft zu verankern.
Bei der Frage, ob die viel diskutierte Ehrenamtskarte hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten könne, gingen die Meinungen weit auseinander. Die Befürworter sahen  in ihr eine Möglichkeit, engagierte Menschen nicht nur symbolisch sondern mit geldwerten Vorteilen zu belohnen. Bei vielen Anwesenden überwog die Befürchtung, dass diese Auszeichnung zu Ungerechtigkeiten und Missverständnissen in den Vereinen führen könnte. Außerdem fürchtet man den bürokratischen Aufwand, der für  der Vereine und/oder ausstellende Stelle zusätzliche Arbeit bedeute.
Landrat Roland Schwing ging in seinem Schlusswort auch auf die Ehrenamtskarte ein. Der Kreistag könnte sie einführen, habe aber wenig zu bieten. Gefragt seien vor allem die Kommunen. Die Umsetzung erfordere eine Halbtagsstelle; dafür  sei ihm aber die Koordinierungsstelle mit Nadja Schillikowski zu schade. Diese sollte sich eher um den geforderten Erfahrungsaustausch kümmern: Hier sei zu überlegen, ob man manche Dinge nicht lösen könne mit einem Vereinsforum oder Ehrenamtsforum. Allerdings seien hier neben der Verwaltung auch die Spitzenverbände gefordert.
Landrat Schwing ist der Überzeugung, dass es in unserem Landkreis insgesamt nicht schlecht bestellt ist mit dem Ehrenamt. Ohne die Jungsenioren und Senioren wären aber viele Vereine nicht mehr lebensfähig. Dieser Gruppe müsse man größere Beachtung schenken, wenn man die  Probleme meistern will, die in einigen Jahren durch die demografische Entwicklung auf uns zukommen.

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