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23.09.2011
Das Alte in das Heute transportieren
Wer sich wenige Tage vor Beginn der Abbrucharbeiten am Alten Krankenhaus von dem renommierten Münchner Architekten Muck Petzet erhofft hatte, er würde bei seiner Vortragsveranstaltung in der Kunsthalle noch einmal für dessen Erhalt plädieren, wurde enttäuscht. Wer sich aber dafür interessierte, wie man Gebäude insbesondere aus der Nachkriegszeit mit Fingerspitzengefühl restaurieren und so harmonisch ins Stadtbild einpassen kann, der fand interessante Ansätze. Petzet, der seit 2003 ein eigenes Architekturbüro betreibt und vor allem in Ostdeutschland Projekte im ganz großen Stil realisierte, warf Vorher-Nachher-Beispiele seiner "Umbauten im Bestand" an die kalkweiße Wand der Kunsthalle, zeigte, wie aus schnöden Plattenbauten neue, interessante Wohnquartiere entstehen können.
Dass das Alte Krankenhaus unterschwellig dennoch stets im Raum schwebte, lag an der grundsätzlichen Philosophie des Architekten und Schöngeistes, der Abbrüche zum Zwecke des Neubaus für gigantische Energieverschwendung hält und seinen Kollegen ins Stammbuch schrieb, sich mit dem Vorhandenen auseinanderzusetzen und den Geist der vergangenen Zeit bei einer Modernisierung bewusst mit einzubeziehen. Als gelungenes Beispiel für eine derartige Umbaumaßnahme in Schweinfurt führte er naheliegender Weise die Kunsthalle selbst an, in der man "noch das Chlor des alten Bades riecht, noch das Wasser plätschern hört". Diese Gefühlskomponente, die aus einer alten Zeit in das Heute transportiert wurde, unterscheide die gelungene Umnutzung vom schnöden Neubau.
Rund 150 Interessierte lauschten dem kurzweiligen und auch nicht allzu langen Vortrag Muck Petzets, der auf Einladung der Schweinfurter CSU gekommen war um – wie es Kreisvorsitzender Stefan Funk ausdrückte – deren "Horizont zu erweitern". Die Gestaltung des unmittelbaren Lebensraums der Bürger sei eine wichtige Aufgabe, so Funk, die Verbindung zwischen Altem und Neuem empfinde er als reizvoll. In Schweinfurt sei dies nicht nur bei der Kunsthalle, sondern auch beim Ebracher Hof in hervorragender Weise gelungen, es gebe aber noch weiteres Potenzial.
"Potenziale des Vorhandenen" lautete denn auch der Titel des Petzet-Vortrags, der nur ein Schweinfurter Beispiel explizit aufgriff, das in seinen Augen aus ästhetischer Sicht zu den weniger gelungenen Modernisierungsmaßnahmen zählt: einen Wohnblock der SWG am Bergl, dessen Fassade man mit knallbunten geometrischen Formen verziert hat. Gerade hier gehen die Ansichten des – fachkundigen – Architekten und die der – unbedarften – Bürger bisweilen aber auseinander, wie die kurze Diskussion im Anschluss an den Vortrag zeigte. "Wir Laien fanden das eigentlich alle ganz nett, ja witzig", meldete sich ein Zuhörer zu Wort. Petzets Replik: "In 20 Jahren finden sie das vielleicht auch nicht mehr witzig. Wir Architekten haben den Anspruch, etwas Bleibendes zu schaffen – und keinen Witz..."
Einem letzten Versuch der anwesenden Architekturhistorikerin Suse Schmuck, ihn in Sachen "Altes Krankenhaus" doch zu einem Statement zu bewegen, verweigerte sich der Münchner: Er habe sich mit der Thematik zu wenig auseinandergesetzt, widme sich lieber dem später dargebotenen Frankenwein. Dafür äußerte sich noch einmal Gastgeber Stefan Funk und verwies darauf, dass in Schweinfurt "kein Thema mehr und öffentlicher diskutiert" worden sei, als der Abbruch oder Erhalt dieses Gebäudes. Funk: "Am Ende haben die Bürger sich mit deutlicher Mehrheit für das Neue entschieden. Wir müssen das akzeptieren."
Bericht von Holger Laschka aus der Mainpost vom 23. September 2011
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